Katholische Schulen als Orte kirchlichen Lebens
Zwei Tage, sieben Referent*innen und 25 hochmotivierte neue Lehrkräfte: Vom 14.02. bis 15.02.2019 fand im Wilhelm-Kempf-Haus in Wiesbaden-Naurod eine Einführungsveranstaltung für neue Lehrkräfte an den katholischen Schulen im Bistum Limburg statt. Vorbereitet und durchgeführt wurde die Tagung vom Abteilungsleiter Katholische Schulen, Ralf Machnik, und dem Referenten für Gymnasien und Gesamtschulen, Benedikt Göbel. Im Laufe der beiden Tage lernten die Teilnehmer*innen nicht nur ihre jeweiligen Schulen als Orte kirchlichen Lebens besser kennen, sondern hatten auch die Gelegenheit, mit dem Leitungspersonal des Bistums Limburg ins Gespräch zu kommen.
Hierfür hatten die Bischof-Neumann-Schule in Königstein, die Elisabethenschule in Hofheim, das Johannes-Gymnasium in Lahnstein, die Ketteler-LaRoche-Schule in Oberursel, die Marienschule in Limburg, die St.-Angela-Schule in Königstein und die St. Ursula-Schule in Geisenheim neue Kolleg*innen nach Naurod entsendet, die sich zu Beginn der Veranstaltung im Rahmen einer Vorstellungsrunde gegenseitig bekannt machten. Den Auftakt als Referent machte der Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Vallendar, Prof. Dr. Dr. Holger Zaborowski, der seinen Vortrag unter das Thema Katholische Schule – wie geht das? gestellt hatte. In diesem Zusammenhang referierte Prof. Zaborowski über die (Katholische) Schule als Spannungs-, Gegen- und Bildungsraum und kam im Anschluss an seinen Vortrag mit den Teilnehmer*innen über die Begriffe Werte und Tugenden ins Gespräch.
Nach einem gemeinsamen Mittagessen folgte eine Arbeitsphase mit der Direktorin des Pädagogischen Zentrums der Bistümer im Lande Hessen, Dr. Sabine Tischbein. Hierbei mussten die Teilnehmer*innen in Kleingruppen ihre wichtigsten Kriterien für eine gute katholische Schule erarbeiten. Diese wurden anschließend von Frau Dr. Tischbein nicht nur in Beziehung zu den Sieben Thesen zum Selbstverständnis und Auftrag Katholischer Schulen, sondern auch beispielhaft zum Hessischen Referenzrahmen Schulqualität gesetzt. Anschließend wurde das Pädagogische Zentrum in Naurod als breit aufgestelltes Fortbildungsinstitut mit einer Vielzahl an Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten vorgestellt.
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Es folgte ein Überblick über die Strukturen, Inhalte und Konzepte der katholischen Schulen im Bistum Limburg durch den Dezernenten für Schule und Bildung, Andreas von Erdmann. Unmittelbar im Anschluss feierten die Teilnehmer*innen gemeinsam mit dem Generalvikar des Bistums Limburg, Domkapitular Wolfgang Rösch, die Eucharistie in der Kapelle des Wilhelm-Kempf-Hauses. Nach einem stärkenden Abendessen stand der Höhepunkt des Tages auf dem Programm: Eine offene Gesprächsrunde mit dem Generalvikar. Domkapitular Wolfgang Rösch präsentierte sich als offener und interessierter Gesprächspartner. „Die Gesprächsrunde mit dem Generalvikar war für mich persönlich definitiv das Highlight der beiden Tage“, lautete das Fazit einer Teilnehmerin. Mit einem geselligen Beisammensein in der Georgstube ließen die neuen Lehrkräfte zusammen mit den Referenten den Tag ausklingen.
Der zweite Tag startete mit einem Morgenimpuls in der Kapelle, der unter dem Psalmwort „Weise mir, Herr, deinen Weg“ (Ps 86,11) stand. Nach einem gemeinsamen Frühstück stand der erste Vortrag auf dem Programm: Dr. Sascha Koller, Abteilungsleiter Weltliches Recht und Justitiar im Bistum Limburg, gab den neuen Lehrkräften eine kurzweilige Einführung in die rechtlichen Grundlagen und die Grundordnung für den kirchlichen Dienst. Im Anschluss kam der ehemalige Schulleiter der St. Ursula-Schule in Geisenheim, Dr. Hermann-Josef Schlicht, ausführlich ins Gespräch mit den Teilnehmer*innen. Als begleitender Beobachter an beiden Tagen nahm er die Resonanzen der neuen Lehrkräfte auf und ließ deren Angesprochensein und Ansprüche unter dem Titel Katholische Schule gestalten – mich im gemeinsamen Wirken entfalten zur Sprache kommen.
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Den inhaltlichen Abschluss bildete die Referentin für Schulpastoral, Barbara Lecht, mit ihrer Präsentation Damit Schule eine Seele hat. Hierbei wurden die Aufgaben und Angebote des Referates Schulpastoral ebenso vorgestellt wie die Kurzformel für schulpastorales Handeln, die sich von der Frage Jesu an den blinden Bartimäus ableitet: „Was willst du, das ich dir tun soll?“ (Mk 10,51a). Den Teilnehmer*innen wurde zum Ende der beiden Tage einmal mehr der „Andersort“ katholische Schule vor Augen geführt, in dessen Rahmen Schulpastoral ein diakonischer Auftrag, ein seelsorglicher Dienst für die Menschen in der Schule, ist.
„Eine tolle und informative Veranstaltung, die unbedingt weitergeführt und für alle neuen Kolleg*innen angeboten werden sollte“, lautete das abschließende Feedback einer Teilnehmerin.

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Die Altweiberfastnacht-Party des Jahrgangs Q4 war ein voller Erfolg! Bei Sonnenschein und Party-Musik tanzte die ganze Schule ausgelassen im Hof.

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Kreative Partyspiele, die die Lehrerschaft und die Schulleitung vor einige Herausforderungen stellten, sorgten für Unterhaltung. Im Gesangswettbewerb bewies Herr Daniel sein musikalisches Talent und wurde dabei stimmlich nur von Herrn Bender übertroffen, der aber gegen das geübte Auftreten von Frau Faust, mit "God save the Queen", keine Chance hatte. Die Schulsozialarbeit meisterte den aufgebauten Hindernisparcour mit Bravour und auch der Wissenstest zum Motto-Thema "Harry Potter" wurde von Frau Bruchof, Herrn Determann, Frau Lindemann und Frau Berghof souverän bestanden. Das lag wahrscheinlich an der zuvor im Lehrerzimmer genossenen Stärkung, die nicht nur ein Augenschmaus war, sondern so lecker, dass es nicht gelang, ein vollständiges Foto zu machen.

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Dafür und für das vorbildliche Verhalten des gesamten Jahrgangs, für die perfekte Organisation und die tolle Moderation ein herzliches Dankeschön der ganzen Schulgemeinde an den Jahrgang Q4! Wir drücken alle die Daumen für die Prüfungen!

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Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 5c (Leitung: Frau Jendreizek) erarbeiteten eigenenständig den Aufbau des menschlichen Skeletts und setzten ihr Wissen in selbstgefertigte Modelle um, die sie nun in ihrem Klassenraum ausstellen. Alle Modelle sind sehr gut gelungen und wurden mit einer guten Zensur belohnt.

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Werde, der Du bist! Eine kleine Philosophie des Lebensweges
Ein Teilnehmerbericht von Josefine Teicke
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Nachdem im Sommer 2018 das erste von Herr Zern und Herr Dr. Schlicht ins Leben gerufene Philosophieprojekt großen Anklang gefunden hatte, fand im November gleichen Jahres ein weiteres Blockseminar statt. Uns war beim letzten Mal aufgefallen, dass der Zeitrahmen von einem Tag kaum ausreicht, um sich mit einer philosophischen Thematik wirklich tiefgehend und intensiv auseinanderzusetzen, weshalb für das zweite Projekt nun zwei Tagen zur Verfügung standen. Die ursprüngliche Idee einer Übernachtung konnte nicht umgesetzt werden, weshalb wir Freitag und Samstag von 8:00-17:30 Uhr in der Unter- und Mittelstufenbibliothek unserer Schule tagten. Da es für uns jetzt langsam auf das Abitur zugeht, was einen bedeutenden Abschnitt und Umbruch bedeutet, erschien die Thematik „Werde, der du bist – Eine kleine Philosophie des Lebenswegs“ sehr passend. Geplant, geleitet und organisiert wurde auch dieses Projekt wieder von Herr Zern und Herr Dr. Schlicht.
Der erste Tag begann Freitagmorgen im Schulpark, wo wir uns gemeinsam mit einem von Dr. Schlicht vorgestellten Morgenritual einstimmten. Abgesehen davon, dass dieses Ritual eine schöne Einleitung für das besondere Projekt war und es dessen Beginn markierte, sorgte es direkt für eine lockere, heitere und gemeinschaftliche Stimmung. Daraufhin versammelten wir uns alle in der Bibliothek und artikulierten unsere Erwartungen und Wünsche an die kommenden beiden Tage. Dabei stellte sich heraus, dass, neben der Vorstellung von „Lebensweg“ in Bezug auf Zukunft und Orientierung, vor allem der provozierende und widersprüchlich wirkende Titel „Werde, der du bist!“ Fragen aufwarf. Bin ich nicht jetzt schon jemand? Kann ich mich überhaupt selbst finden? Bin ich ein originales Ich? Inwiefern muss ich es noch werden? Woran orientiere ich mich dabei? Diese Fragen sollten uns das ganze Projekt hindurch begleiten.
Im nächsten Schritt widmeten wir uns dem „Wanderer über dem Nebelmeer“, einem Gemälde von Caspar David Friedrich, indem wir es zunächst beschrieben, Auffälligkeiten benannten und anschließend die vom Bild hervorgerufenen Gefühle zum Ausdruck brachten. Das Bild selbst wirkte grundsätzlich eher positiv und besonders der Nebel, der nur teilweise die Landschaft freigab, erregte Neugier. Man hatte beim Betrachten das Gefühl genau hinter dem selbstbewusst wirkenden Mann zu stehen und ganz hoch über der Erde in die Ferne zu schauen. Wir interpretierten daraufhin das Gemälde in Bezug auf unser Thema, wobei angesprochen wurde, dass der Fels, auf dem der Mann steht, seine Vergangenheit und seine jetzige, sichere Lebenssituation sein könnte und die Landschaft, in die er blickt, seine Zukunft. Dort eröffnen sich ihm viele verschiedene Wege, die er einschlagen kann, so wie sich uns im Leben auch viele Möglichkeiten eröffnen. Allerdings können wir im Leben nichts fest planen, wir haben es nicht unter Kontrolle, weshalb wir nie genau wissen können, was uns erwartet und wohin uns unser Weg führt. Wir befinden uns also genaugenommen auch auf einem „nebeligen Weg“. Nebel bedeutet auch Unklarheit und Gefahr, und auch der Standpunkt des Mannes wirkt gefährlich, da beispielsweise der Fels unter ihm wegbrechen könnte. Auch das lässt sich gut an unserem Leben nachvollziehen, da das Leben immer wieder negative Überraschungen bereithält, man sich oft verläuft, Fehler macht und Rückschläge einstecken muss. Leben ist nicht immer leicht, aber der Weg in den Nebel lohnt sich, ist wahrscheinlich unvermeidlich und ist vor allem das, was das Leben so lebenswert macht. Nachdem wir gemeinsam über das Bild und unsere Assoziationen gesprochen hatten, sollten wir individuelle Texte mit unseren persönlichen Eindrücken und Deutungen verfassen, wovon schließlich drei vorgestellt wurden.
Anschließend betrachteten und beschrieben wir ein Landschaftsbild, welches eine Vielfalt von Umgebungen zeigte, und überlegten, was es bedeutet an einem dieser Orte zu sein und inwiefern man diese auf die persönliche Lebenssituation beziehen kann. Dabei wurde es auch persönlich, da wir versuchen sollten uns begründet mit unserer aktuellen Situation zu verorten und einen „Wunschort“ zu formulieren. Diese Aufgabe bedeutete seine Lebenssituation sehr bewusst und ehrlich im positiven wie im negativen Sinne wahrzunehmen und zu reflektieren, sowie sich seine Wünsche, Sehnsüchte, Werte und Ziele bewusst zu machen.
Die Verortungen und Begründungen waren dabei so vielseitig wie die Landschaft selbst. Bei einigen war Abenteuerlust ein wichtiger Faktor, andere sehnten sich nach Sicherheit oder Ruhe.
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Unser Gespräch mündete schließlich in einer Diskussion zur Frage, was es denn bedeutet besonders und man selbst zu sein bzw. woran man merkt, dass man in gewissen Wünschen oder Handlungen vielleicht doch kein Original ist. Allerdings wurden diese Fragen erstmal hintenangestellt und auf den Samstag verlegt.
Nach einer Mittagspause fuhren wir zum Kloster Marienthal, wo es zunächst wieder um bewusste Wahrnehmung ging. Nachdem wir verschiedene Arten des Gehens benannt hatten, sollten wir mit unserem Partner einige davon aussuchen und praktizieren, wobei jedes Paar sich gegenseitig analysierte und die Wirkung der jeweiligen Gangart benannte.
Spannend war es dabei zu erkennen, was für eine Wirkung und Reaktionen man durch die Art des Gehens erzeugen kann und was man dabei nach außen vermittelt. Darüber hinaus war es schon in der Antike unter Philosophen üblich, dass man beim philosophischen Austausch spazieren ging, da beim Gehen ja im wahrsten Sinne des Wortes ein Fortschritt stattfindet, was parallel auch in den Gedankengängen geschieht und diese unterstützen soll. Im weiteren Verlauf sollten wir genau das selbst erfahren, indem jeder von uns zufällig ein Zitat zum Thema „Lebensweg“ zugeordnet bekam und sich während eines Waldspaziergangs individuell mit dessen Aussage beschäftigen sollte. Die Zitate waren zunächst nicht leicht zugänglich und im ersten Moment nicht unbedingt angenehm, wie beispielsweise „Wir sind Bettler, das ist wahr“ von Martin Luther oder „Das Leben ist die Lust der Not. Wer zu viel Nöte lindert, fesselt das Leben“ von Jürgen von der Wense, aber der Spaziergang war tatsächlich eine wunderbare Methode, um sich gedanklich damit beschäftigen zu können. Gerade der Wald war ein sehr passender Ort dafür und wir waren zusätzlich noch mit wundervollem Wetter beschenkt worden. Bevor wir zurück zur Schule fuhren, machten wir Halt am Schloss Johannesberg, um Caspar David Friedrichs Gemälde fotografisch nachzustellen und schossen noch ein Gruppenbild als schöne Erinnerung an das Projekt.
Als wir wieder zurück in der Schule waren, besprachen wir die Zitate, welche sich hauptsächlich mit dem, was die menschliche Existenz und das Leben im Wesentlichen ausmacht, dem Lebensweg, dem Führen eines erfüllten Lebens und der „Selbstverwirklichung“, beschäftigten.
Abschließend lasen wir noch einen Text von Fritz Fischalek, welcher sich mit Grundmustern menschlicher Orientierung beschäftigte. Dabei wurden einige Orientierungsmodelle wie etwa die Orientierung an „Haben“ und „Sein“, an der Zeit, an der Außen-und Innenorientierung sowie an der Konsumorientierung dargestellt. Außerdem wurde betrachtet, wie sehr sich die Grundorientierung einzelner Menschen in ihren Motiven unterscheidet, obwohl sie nach außen auf den ersten Blick auf dasselbe abzielt. Weiterhin wurde im Text herausgestellt, wie Grundorientierungen zustande kommen und dass es ein Leben lang möglich ist seine Orientierung zumindest im Kleinen zu ändern, indem man selbstreflektiert und offen für Erkenntnisse und Außenstehendes ist. Nachdem wir noch einmal kurz über den Tag gesprochen hatten, ließen wir den Abend bei einem gemeinsamen Essen ausklingen.
Der Samstag diente der Intensivierung der Thematik bzw. einer Vertiefung dessen, was wir am Freitag bereits in Grundzügen herausgestellt hatten. Als Morgenimpuls bekamen wir „Der Aufbruch“, eine Parabel von Franz Kafka, vorgelesen, welche als Grundlage für eine Art Bibliodrama diente. In der Parabel geht es um einen Herren, der in der Ferne das Blasen einer Trompete hört und fortreiten will, sein Diener ihn aber weder versteht noch etwas hört. Seinem Diener antwortet er auf die Frage nach dem Ziel seiner Reise, dass dieses Ziel „weg von hier“ sei und kein Essvorrat ihn auf seiner „wahrhaft ungeheuren Reise“ retten könne.
Nachdem wir unsere vom Text hervorgerufenen Eindrücke und Fragen geäußert hatten, sollte sich jeder einer Rolle aus dem Text zuordnen, der des Knechts oder der des Herrn. Daraufhin fanden wir uns in einem anderen Raum zusammen, in dem wir eine Position in dem Schauplatz, den die Parabel vorgab, einnehmen sollten. Herr Dr. Schlicht führte schließlich mit jedem ein Kurzinterview, in dem, neben vertiefenden Fragen, gefragt wurde, warum man die Rolle und die jeweilige Position eingenommen hat. Dies war wahrscheinlich eine der intensivsten Einheiten des gesamten Projekts, da man einen intimen Kontakt mit seiner eigenen emotionalen Situation, seinen Wünschen, Sehnsüchten, Stärken, Hemmnissen, aber auch mit der Position der anderen Teilnehmer hatte und sich so selbst in seiner Lebenswirklichkeit bewusster wahrnehmen konnte.
Nach einer Pause widmeten wir uns den verschiedenen Polaritäten der menschlichen Existenz, da uns bereits am Vortag aufgefallen war, welche Widersprüchlichkeiten das Leben prägen und wie wir uns dadurch fast ständig in einem schwierigen Spannungsfeld befinden. Wir bekamen ein Blatt mit einer Auswahl an Polaritäten (Herr-Knecht, Original-Kopie, Vertrauen-Angst, Persönlichkeit-Rolle, Entwicklungsfreude-Werdescheu, Existenzielle Grenzerfahrung-Evolutionäre Entwicklung) ausgeteilt und sollten uns zunächst drei heraussuchen und diese im Bezug auf unser Leben reflektieren. Anschließend teilten wir uns in zwei Gruppen auf, in denen wir drei uns besonders herausfordernd erscheinende Polaritäten betrachteten und an konkreten Beispielen aus dem Alltagsleben veranschaulichten. Außerdem widmeten wir uns der Frage, wann wir welche Polarität im Leben verspüren und was es für Möglichkeiten gibt, mit solchen Spannungen umzugehen.
Beispielsweise bezogen wir die Polarität von Vertrauen und Angst auf Beziehungen, in denen auf der einen Seite der Wunsch nach Sicherheit und danach sich einander zu öffnen eine Rolle spielt, andererseits aber auch die Angst den Partner zu enttäuschen, zu verlieren oder nicht verstanden und verurteilt zu werden. Als Möglichkeiten mit solchen Polaritäten umzugehen, wurden vor allem Reflektion und Selbstkritik genannt, aber auch, dass man sie zunächst als Teil von sich akzeptieren muss und es manchmal keinen anderen Weg gibt, als zu lernen sie auszuhalten.
Nach einer Mittagspause widmeten wir uns dem „Mythos des Labyrinths“, wobei wir zunächst zwischen einem Labyrinth und einem Irrgarten unterschieden und danach das Labyrinth als ein Symbol für das Leben betrachteten. Das Labyrinth unterscheidet sich vom Irrgarten, da es nur einen Weg hat, während der Irrgarten viele hat und deswegen die Möglichkeit des Verirrens besteht. Außerdem stellt das Labyrinth eine Antithese zu anderen Symbolen des Lebens, wie der Lebenstreppe oder dem Lebensbogen, dar. Während diese das Leben auf einen Aufschwung mit folgendem Abschwung reduzieren, berücksichtigt das Labyrinth die Komplexität des Lebens mit seinen Unregelmäßigkeiten und Brüchen. Es ist ebenso widersprüchlich wie das Leben, da man sich beispielsweise nicht verlaufen kann, man aber trotzdem ein Gefühl einer Unübersichtlichkeit bekommt. Der Mittelpunkt des Labyrinths stellt das dar, was das eigene Leben im Innersten ausmacht. Dieser Mittelpunkt ist krisenhaft, weil er einen Endpunkt darstellt, mit dem aber gleichzeitig auch eine neue Bewegung beginnt. Das Labyrinth hat insgesamt eine sehr vielschichtige, faszinierende Metaphorik und ist ein Bild für das nicht stromlinienförmige Leben. Das Labyrinth wirft außerdem Fragen auf, die für uns enorm bedeutend sind, da es die eigene Identität hinterfragt und zum Nachdenken anregt, was überhaupt die Mitte unseres Lebens ausmacht.
Zuletzt schauten wir uns den griechischen „Mythos vom Minotaurus“ an und bezogen diesen auf das Schattenprinzip des Psychoanalytikers C. G. Jung. Laut Jung ist der Schatten das gesamte Unterbewusstsein des Menschen, welches alle Symptome des Menschseins beeinflusst und in jedem steckt. Der Mensch selbst ängstigt sich oft vor dem Schatten, da dieser seinem bewussten Ich gegenübersteht und unkontrollierbar wirkt. Bricht dieser Schatten in Extremfällen aus, stempeln die Menschen diesen Ausbruch lieber als psychische Störung oder ähnliches ab und schieben ihn weg, um sich bloß nicht mit ihren eigenen Schattenanteilen beschäftigen zu müssen. Allerdings kann der Schatten auch eine Quelle des Positiven sein, aus der der Einzelne schöpfen kann, um sich selbst im Ganzen kennenzulernen und vollständiger zu werden. Diese, für den Menschen wichtige, Auseinandersetzung mit dem Schatten wird schon von jeher in Heldengeschichten, wie etwa dem „Mythos vom Minotaurus“, verarbeitet.
Diese letzte thematische Einheit war besonders wichtig, weil vor allem unser Unterbewusstsein wert ist, sich damit zu beschäftigen, da darin sehr viel schlummert, was wir noch nicht kennen und wir es schaffen können uns besser verstehen zu lernen, auch wenn es nicht unbedingt angenehm oder leicht ist.
Nach einer abschließenden Fazitrunde und einem musikalischen Impuls war der zweite Tag des Seminars vorbei.
Insgesamt lässt sich sagen, dass die beiden Tage enorm bereichernd und durch den längeren Zeitrahmen auch intensiver waren. Da die Pausen unabhängig vom Schulrythmus gelegt wurden, wir uns nicht wie sonst üblich melden mussten, es eine überschaubare Gruppe war und es Freiraum für Diskussionen gab, entstand eine freundliche und lockere Atmosphäre, in der frei und offen gesprochen werden konnte. Das gewählte Thema betraf außerdem jeden, da es existenziell war und darüber hinaus noch einen aktuellen Bezug hatte, da wir uns als Schüler gerade vor einem einschneidenden Punkt in unserem Leben befinden, dem Abitur.
Dieses Philosophieseminar hat noch einmal besonders gezeigt, wie wichtig und wertvoll solche Projekte sind. Im Alltagsstress kommt man selten dazu, sich existentiellen Themen wie diesen zu widmen. Die intensive Beschäftigung ist zwar anstrengend, da man an Themen gerät, die emotional anrühren, die unangenehm sind und man insgesamt gezwungen ist auf sich selbst zu schauen. Doch es lohnt sich!
Philosophische Angebote dieser Art können einen Raum schaffen, in dem solche Themen Platz finden, was wichtig ist, da von ihnen jeder ohne Ausnahme betroffen bzw. mit ihnen konfrontiert ist. Im Gespräch können Begegnungen geschehen, der eigene Horizont kann erweitert werden, man findet Gehör und wird dabei ernstgenommen. Das Beschäftigen mit philosophischen Themen wie diesen hilft der Wahrnehmungsschärfung, der Selbstreflexion und gibt Orientierung. Jedoch scheint in einer Zeit von Orientierungslosigkeit und Leistungsdenken, philosophischen Angeboten immer weniger Wichtigkeit zugesprochen zu werden, obwohl sie gerade heute so wahnsinnig notwendig sind.
Ich persönlich, und ich denke, ich spreche im Namen der gesamten Gruppe, bin überaus dankbar die Möglichkeit bekommen zu haben, zweimal an solchen Projekten teilnehmen zu dürfen und wünsche mir, dass in unserer Schule weiterhin Raum für Philosophie geschaffen wird, sodass künftige Jahrgänge ebenfalls diese Möglichkeiten haben.