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Schicksalsmusik 2010

Eine musikalisch-literarische Zeitreise zu der Frage: Alles bloß Schucksal?

26. und 27. November 2010

Programm

  • Carl Orff/Thomas Bachmann
    O Fortuna
  • Mary Lynn Lightfood
    A Festive FaLaLa
  • Ludwig van Beethoven/Andy Firth
    Beethovens Fifth
  • Sophokles
    Das Schicksal des Ödipus
  • Arlecchino
    erzählt Schicksalsgeschichten Camminando sotto la pioggia
  • Johannes Brahms/Stefan Taupe
    5. Ungarischer Tanz
  • Randy Newman/Thomas Bachmann
    Short People
  • Freddy Mercury/Thomas Bachmann
    Bohemian Rhapsody
  • Joe Zawinul/M. Sweeney
    Birdland
  • Craig Courtney
    There is a Time
  • Shakespeare/Lorenz
    Szenen aus Romeo und Julia - Zufall oder Schicksal
  • G. Ballard/S. Garret
    Man in the Mirror


Musik, Theater und Kunst der St. Ursula-Schule 2010

"Schicksalsmusik“

Eine musikalisch-literarische Reise zu der Frage: Alles bloß Schicksal?

Kunstprojekt mit den Musikern während des Probenwochenendes

Schicksal – mit dem Begriff verbinden wir spontan eher etwas Negatives, fast Dramatisches, so wird er umgangssprachlich verwendet.
In unserem täglichen Leben wollen wir damit wohl eher nichts zu tun haben.
Aber in der Kunst! Musik, Drama, Bilder, Filme... hier ist das Schicksalsthema Inspiration für große Geschichten.

Das Kunstprojekt unter der Leitung von Miriam Hartmann-Rösch beschäftigte sich mit der Frage, wie wir uns im täglichen Leben, im Umgang mit Anderen, zur Frage des Schicksals verhalten: Alles bloß Schicksal – also „geschickt“, von wem? Von Gott, vom Teufel gar? Oder alles Naturgesetz, oder reiner Zufall, sinnlos, fatal?
Ich bin in eine Situation „hineingeschickt“ – wie handle ich? Erkenne ich eine Situation ? Ergreife ich Initiative, oder lasse ich geschehen?

Als Experimentierfeld diente eine Leinwand, mitgebracht wurde von den Schülern jeweils ein persönlicher Gegenstand, ein Foto zum Beispiel, oder ein kleiner Talisman, ein Souvenir, oder ein anderes Zeichen.
Im Laufe des Tages konnte dieses persönliche Zeichen auf die Leinwand gesetzt werden, mit Acrylfarben konnte jeder auf dieser Fläche mitgestalten und bewusste, bedachte Spuren hinterlassen.
So entwickelte sich das Bild, Schichten entstanden, Zeichen wurden gesetzt und wieder überdeckt. Phasen aktiven Gestaltens und Beobachtens des Prozesses, während andere am Werk waren, wechselten sich ab. Die Schüler kamen mehrmals wieder, um in neuen Situationen mitzuarbeiten. Erfahrungen von Freiheit, Gestaltungsspielraum wechselten mit Irritation, Ohnmachtsgefühlen angesichts der permanenten Veränderungen und Übermalungen – der individuelle Plan wurde durchkreuzt.
Nun stellte sich die Frage: was tun? Sich ärgern, resignieren – oder von Neuem ans Werk gehen? Versuchen, die alte Situation wieder herzustellen, oder etwas Neues beginnen? Vielleicht sogar den Verlust als Chance und Bereicherung erleben, Dinge tun, die einem zuvor nicht in den Sinn gekommen wären? Dabei war nicht nur das aktive Gestalten, sondern auch das Beobachten und das philosophische Gespräch zum Thema interessant.

Schicksal – knechtend oder freiheitsstiftend?

>Schicksal< ist eine Bezeichnung für die Erfahrung, dass vieles, was dem Menschen widerfährt oder was in Welt und Geschichte sich ereignet, nicht Resultat menschlichen Wollens und Handelns, sondern ihm >von außen< auferlegt ist.

Schicksal verstanden als >Schöpfungs- oder Heilsordnung, Heilsplan Gottes, Kismet< wird mit dem personalen Willen Gottes gleichbedeutend. Dieser kann entweder als allgewaltige Macht und letzte Ursache von allem aufgefasst werden, so dass dem Handeln und der Entscheidung des Menschen noch ein gewisser Raum belassen ist, oder als absolute Vorherbestimmung zum Heil oder Unheil.

Im abendländischen Christentum hat besonders Augustinus die Bestimmtheit von Welt, Geschichte und Leben des Einzelnen durch Vorhersehung und Prädestination Gottes betont. Prägend wurde diese Überzeugung für die calvinistischen unter den reformatorischen Kirchen. Die sich daraus ergebenden Fragen nach der ethischen >Mitwirkung< des Menschen, ihrer Heilsrelevanz und ihres Verhältnisses zur göttlichen Vorherbestimmung wurden in der Aufklärung formalisiert zur Spannung zwischen Theonomie und Autonomie des Menschen.

Erasmus von Rotterdam greift die Frage auf: Ist alles vorbestimmt, oder ist der Mensch (auch) frei? Liegt es in des Einzelnen Hand, Gutes zu tun oder Böses? Im Sinne des Humanismus macht er sich zum Anwalt der Freiheit.

Gegen Erasmus verfasst Luther seine Schrift „Von dem geknechteten Willen“. Darin erklärt er die Spannung zwischen Theonomie und Autonomie zur Scheinfrage. Die echte Frage sei vielmehr: bin ich „von Gott oder vom Teufel geritten“?
Ich versuche, Luthers Position in zeitgenössischer Sprache zu übertragen:

Abhängigkeit ist immer. Freiheit objektiv gibt es nicht. Freiheit ist als Gegebenheit (gegeben!) zu betrachten – als Geschenk, Wunder, freundliches Geschick.

Zu fragen ist dann also: bin ich abhängig von Dingen, die mir Freiheit geben, z. B. von der Liebe Gottes, von gedeihlichen Lebensverhältnissen – oder bin ich abhängig von Dingen, die eine destruktive Dynamik entwickeln, wie Eifersucht oder anderen Süchten oder Allmachbarkeitsphantasien? Kann ich mich dem Schicksal hingeben, mich hineinbegeben im Vertrauen auf Gott?
Finde ich Freiheit im Schicksal oder letzten Endes den Tod?
Miriam Hartmann-Rösch


Unter- und Mittelstufenchor
Oberstufenchor
Klassik-Ensemble
Big Band
Darstellendes Spiel (12 und 13)
Nathalie Janata, Nicholas Lorenz
Benedikt Müller

Thomas Bachmann
Tassilo Schlenther
Volker Bender
Christine Galka
Miriam Rösch
Brigitte Lorenz
Berit Ehrhard
Stefania Arlecchino Bienek

Technik: Ralf Heim

Vielen Dank an alle Mitwirkende und an den Förderverein der St. Ursula-Schule. Außerdem an Inge Stäcker, Sabine Feldhaus, Lily Bock, Paul Berg und Dieter Schmid