Miró im Treppenhaus

Der eher trist wirkende Altbau mit seinem teils dunklen Bereich im oberen Geschoss, wo sich auch die Kunsträume befinden, sollte farbenfrohe Akzente erhalten, die die Stimmung im Schulalltag positiv beeinflussen. Unter Beachtung wahrnehmungspsychologischer Aspekte sollte die Wandmalerei die Räumlichkeiten jedoch nicht einengen, daher waren helle Farben angemessen, besonders ein leuchtender Gelbton. Im Treppenhaus setzt sich die Wandmalerei als eine Bildergalerie bis zum Erdgeschoss fort.

Miró schien mir mit seinem eigenwilligen, vielseitigen Stil sehr geeignet, da er über höchst unterschiedliche Gestaltungsweisen verfügt, die meist sehr farbenfroh ausgeführt sind und oft eine poetische, spontane, heitere Wirkung besitzen. Das spielerische, schöpferische Element ist in seinen Arbeiten sehr ausgeprägt. Dies spricht die Gestalter sowie die Betrachter an und hebt sich von anderen überbeanspruchten Motiven ab.

Aufgabe war nicht nur, künstlerische Gestaltungsprozesse nachzuahmen, sondern sich mit einem Künstler zu befassen, Werke zu studieren und dann eigene Werke zu kreieren, die sich im weiteren Sinne auf Miró beziehen. Für die Entwicklung eigener Entwurfsstudien stand den Schülerinnen und Schülern ausreichend Zeit zur Verfügung, um zu experimentieren, bildnerische Erfahrungen zu sammeln, so dass aus dem umfangreichen Entwurfsmaterial eine gute Auswahl getroffen werden konnte.

Aha-Erlebnisse ergaben sich allein schon durch die Dimension. Die teils sehr kleinformatigen Entwürfe mussten in die gewünschte Größe übertragen und nun auf die noch weiße Wand die ersten Vorzeichnungen angebracht werden. Besonders spannend war der malerische Arbeitsprozess, einmal die starke Wirkung der ersten leuchtenden Farblasuren sowie der teils ungewohnte Einsatz des ganzen Körpers (raumgreifend, gestisch, im Stehen).

Weiter ist es für die Schüler ein außergewöhnliches, positives Ergebnis, im Team ein Gesamtkunstwerk zu erstellen, durch das sie sich im Haus quasi öffentlich präsentieren und auf das sie mit gutem Recht stolz sein können. Hinzu kommt die Motivation durch die Verschönerung des schulischen Umfelds auch etwas Gutes für alle zu tun.

Für viele Schülerinnen und Schüler, und nicht nur für diese, ist der Zugang zur ungegenständlichen Kunst schwierig und wird größtenteils auch altersgemäß abgelehnt. Ich denke Miró in seiner Vielfältigkeit bietet hier gute Möglichkeiten stark abstrahierte Gestaltungsprozesse mit gegenständlichen zu verknüpfen. Das schafft einen großen Freiraum der persönlichen Auswahl für die Gestaltung. Eine Motivation ist sicher der freiere Umgang mit leuchtenden Farben.

Nach der Anfangsphase waren Barrieren und Hemmungen überwiegend überwunden. Natürlich taten sich einige Schülerinnen und Schüler auch schwerer mit den Vorgaben. Ich denke, die meisten Schülerinnen und Schüler haben ihr Verständnis von abstrahierten Gestaltungsprozessen vertiefen können. Zum Beispiel durch solche künstlerisch-praktische Projekte, die auch Einstellungen im Umgang mit ästhetischen Phänomenen verändern, sowie Verhaltensweisen wie Verantwortungsbewusstsein, Handlungsbereitschaft, Flexibilität, Kreativität, Toleranz, Kooperationsfähigkeit und Erlebnisfähigkeit steigern können.